Zweiter Runder Tisch bringt Bewegung in die Bio-Debatte auf der Wiesn
Im März 2026 kamen rund 40 Vertreter*innen aus den Bereichen Gastronomie, Schaustellerbetriebe, Zivilgesellschaft, Bio-Anbauverbände, Stadtrat und Verwaltung zu einem zweiten Runden Tisch für ein nachhaltigeres Oktoberfest zusammen. Das Treffen zeigte, dass die Diskussion um mehr Bio auf der Wiesn an Dynamik gewinnt.
Nach der Begrüßung durch Dr. Scharpf, Referent im RAW, führte Projektmanagerin Johanna Zierl durch die Runde. Sie leitet das Projekt „Mehr Bio auf der Wiesn“ und sorgte zunächst für einen gemeinsamen Wissensstand. Ein Rückblick auf die Entwicklungen seit dem ersten Treffen sowie ein Überblick über die Vergaberichtlinien bildeten die Grundlage für den weiteren Austausch.
Dann ging es direkt in die Diskussion. Die Stimmung wirkte deutlich offener als noch beim ersten Runden Tisch.
Oktoberfest soll Leuchtturmprojekt werden
Die Wiesnwirte, die seit September 2024 im Rahmen des Projekts „Mehr Bio auf der Wiesn“ beraten werden, schilderten ihre Projekterfahrungen. Dabei wurden folgende Punkte hervorgehoben: die positiven Bewusstseinsänderungen, die Wichtigkeit einer kompetenten Ansprechpartnerin wie Johanna Zierl bei Umstellungsfragen und der Aus- und Aufbau von Kooperationen zwischen Landwirt*innen sowie Erzeuger*innen und Wiesnwirt*innen. Entscheidend sind hierbei die Akzeptanz und das Interesse der Bevölkerung sowie das leidenschaftliche Engagement der Mitarbeiter*innen. Des weiteren betonten die Wiesnwirte den Vorbildcharakter des Oktoberfestes, durch den es zu einem Leuchtturmprojekt werden kann.
Bestehende Punktesystem umstritten
Doch nicht alle sehen die Entwicklung positiv. Vertreter*innen der Marktkaufleute und Schausteller*innen äußerten weiterhin Vorbehalte. Vor allem die Vergaberichtlinien und das bestehende Punktesystem sorgten für Diskussionen.
„Wir schlugen vor, die Vergabekriterien mit allen Beteiligten in einem Arbeitskreis zu besprechen und neue Lösungen zu erarbeiten“, die deutlich effektiver umgesetzt werden könnten, berichtet Helmut Schmidt, Sprecher von FaireWiesn. Dazu gab es jedoch Widerstand durch Stadträte, die diese Thematik eher im interfraktionellen Arbeitskreis der Fraktionen behandeln wollen. Eher auf Zustimmung stieß unser Vorschlag, den Fokus stärker auf die Beilagen und vegane bzw. vegetarische Gerichte in Bioqualität als auf Fleisch zu richten.
Klar bleibt: Der Weg zu mehr Bio auf der Wiesn ist noch nicht abgeschlossen. Gleichzeitig zeigte das Treffen, welches Potenzial in Aufklärung und Austausch steckt. Wer Verständnis schafft und Wissen teilt, bringt die Ernährungswende bei städtischen Veranstaltungen ein gutes Stück voran. Auch wenn wir noch weit von unserem angestrebten Ziel entfernt sind, zeigte dieser Runde Tisch, dass auch von Seiten der Wirte konstruktiv daran gearbeitet wird, den Bioanteil auf der Wiesn sukzessive zu erhöhen.