21. September 2021

Die kleine grüne Insel und der steinige Weg zur Mobilitätswende in München

Die kleine blumige Insel in der Parkstraße begeisterte von Ende August bis Ende September viele Anwohner*innen im Westend. Wir durften sechs Parkplätze bespielen und es entstanden zwischen Hausnummer 16 und 19 bunte Blumenorte.

Parallel dazu fand eine Vortragsreihe zum Thema Lärm, Fassadenbegrünung und alternativer Mobilität statt, die dankenswerter Weise im Forum Schwanthaler Höhe abgehalten werden konnte. Die größte Aufmerksamkeit hatten mit unserer Spielstraße – eine Aktion gemeinsam mit Spiellandschaft Stadt. Am 5. September gehörte den Kindern dieser Ort und die kleinen und großen Besucher*innen waren begeistert – Toben mitten auf einer Münchner Straße.

 

Der holprige Weg zum Sommerexperiment Parkstraße

Bis dieses Sommerexperiment Parkstraße stand, gab es allerdings viele Einschränkungen und einige Kahlschläge. Der ursprüngliche Wunsch war, die Schießstättstraße zu verwandeln. Das wurde wegen eines Bauvorhabens jäh beendet. Plan B wurde dann die Parkstraße. Nach unendlich vielen Anträgen, Gesprächen, organisatorischem Hin und Her blieben nur die sechs Parkplätze.
Dazu auch ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung.

Trotzdem hat unsere kleine Insel den Menschen gezeigt, wie eine Straße mit mehr grün und weniger Autos aussehen würde und so auch für viel Diskussion und Ideenaustausch geführt. Viele Menschen waren begeistert und wünschen sich die Begrünung dauerhaft, aber es gab auch kritische Stimmen. Hier eine kleine Auswahl:

 

Diskussionen mit Verantwortlichen während der IAA

In der Zeit unseres Sommerexperiments fand die IAA in München statt. Wir diskutierten zum Thema Freiräume und Klimawandel auf dem Mobilitätskongress, sprachen während der KonTra IAA und waren auch auf der Bühne des IAA Citizens Lab und stellten unser Sommerprojekt in diesem Rahmen vor.

Bei den Diskussionen wurde klar, dass es vereinfachte Prozesse für die Durchführung von Experimenten im Straßenraum insbesondere durch den Wegfall der persönlichen Haftung der Referatsmitarbeiter*innen geben muss. Auch eine bessere Personalausstattung des Mobilitätsreferates bzw. eine höhere Priorisierung solcher Experimente ist für die Umgestaltung unserer Stadt notwendig.

Und dann kam immer wieder die Sprache auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die auf Bundes- und Landesebene endlich geändert werden müssen. Die Straßenverkehrsordnung bevorzugt immer noch den flüssigen Autoverkehr. Hier müssen Klima- und Gesundheitsschutz sowie andere Verkehrsformen endlich berücksichtigt werden. Alle schienen sich einig zu sein, dass die Bepreisung des öffentlichen Raumes nicht mehr zeitgemäß ist und sich hier dringend etwas ändern muss– allein die hierfür benötigte Änderung der Parkgebührenordnung wurde in Bayern immer noch nicht umgesetzt.

Unser Fazit: Wir konnten gegenseitig Verständnis aufbauen und haben erkannt, dass auch die Verwaltung an einigen Stellen gerne mehr Veränderung erlauben würde, als es derzeit geschieht. Aber es muss sich sowohl auf der kommunaler als auch auf der Bundes- und Landesebene sehr viel ändern, um mehr Freiräume in den Städten zu schaffen und die Klimaschutzziele zu erreichen. Und natürlich muss die Politik bei dem Weg zu nachhaltiger und klimafreundlicher Stadt- und Verkehrsgestaltung deutliche Stellung beziehen und gegebenenfalls auch unbequeme Entscheidungen treffen. Dazu gehört auch der Wegfall der jahrelangen Bevorzugung des Autoverkehrs in den Städten und die Reduzierung der Privilegien der Autobesitzer*innen, sowie eine gerechtere Förderung von alternativer Mobilität. Diskussionen über digitale Innovationen, autonome Fahrzeuge und Flugtaxis sind zwar spannend und könnten unsere Mobilität irgendwann stark verändern – aber da unser CO2-Budget bald aufgebraucht ist, brauchen wir nun erst einmal schnelle Lösungen für die Reduzierung des klima- und umweltschädlichen Autoverkehrs in München.

München soll bis 2035 klimaneutral sein

In 14 Jahren muss München klimaneutral sein – für uns, für unsere Kinder, für den Erhalt unserer Lebenswelt.

Ein wichtiger Baustein für die Klimaneutraltität ist die Verkehrswende. Jetzt müssen die Rahmenbedingungen für eine schnelle Mobilitätswende in München geschaffen werden. Neben dem langfristigen Ausbau von ÖPNV benötigen wir eine schnelle Umgestaltung unseres Straßenraums – denn nur so lässt sich die dringend und schnell benötigte Erhöhung des Umweltverbundes erreichen, den wir in München so dringend benötigen und der politisch schon längst entschieden wurde. Siehe https://ru.muenchen.de/2021/49/Sicher-nachhaltig-komfortabel-eine-bessere-Mobilitaet-fuer-Muenchen-94924

 

Noch steht die kleine grüne Insel, bald werden die Sträucher eingelagert, die Blumen in der Nachbarschaft verschenkt und die Blumenbehälter für das nächste Jahr eingelagert.

Vision Schießstättstraße 2022 ist in vollem Gange

Wir sind motiviert, im nächsten Jahr unsere Vision Westend-Kiez weiterzuentwickeln. Es geht konkret um die Schießstättstraße 2022 –  hoffentlich mit mehr Freiraum, mehr grün und mehr Aktionen und weniger bürokratischen Hürden.

 

Das Sommerexperiment Parkstraße ist Teil des Projekts „Westend-Kiez“.

Das Sommerprojekt Parkstraße, geleitet von Sylvia Hladky, Koordinatorin der Manufaktur 2, und MIN-Geschäftsführerin Hannah Henker, wurde in der Presse aufmerksam verfolgt u.a. von Süddeutsche Zeitung, Radio Lora, Mucbook,

Wenn Sie Anregungen oder Kritik haben, oder gar ein Teil des Projekts Westend-Kiez werden möchten, dann freuen wir uns über Ihr Feedback an westendkiez@m-i-n.net!

 

 

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