Bio, vegan, vegetarisch: Was die Wiesnzelte 2026 auftischen

Unsere Speisekartenauswertung 2026
2026 kommen auf der Wiesn so viele Bio-Speisen auf die Teller wie noch nie. Der Anteil steigt auf 13,7 Prozent. Das sind rund 3,6 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Es handelt sich um den bisher größten Zuwachs an Bioprodukten. Ein Blick auf die einzelnen Zelte zeigt jedoch große Unterschiede.
Insgesamt erfasste die Faire Wiesn 189 Gerichte, bei denen mindestens eine Hauptzutat aus biologischem Anbau stammt. 25 der 34 untersuchten Zelte haben mindestens ein solches Gericht im Angebot. Gleichzeitig liegen neun Zelte weiterhin bei null Prozent Bio. Nicht überall wächst das Bio-Angebot im gleichen Tempo.
Anteil von Bio-Fleisch hoch, das Bio-Hendl geht zurück
Mit 8,2 Prozent erreicht der Anteil von Bio-Fleisch einen neuen Höchstwert. Besonders hoch ist er in den Zelten Ammer (81,3 %), Schottenhamel (61,9 %), Fisch-Bäda (58,2 %) und Schützenlisl (31,8 %). Einige Wirte setzen bereits seit Jahren auf Bio-Fleisch. Dazu gehören etwa Ammer und Paulaner. Andere haben ihren Bio-Anteil zuletzt deutlich ausgebaut, darunter Fisch-Bäda, Schottenhamel, Schützenlisl und die Boandlkramerei.
Das Bio-Hendl gibt es in vier Zelten (2023: sieben Zelte, 2024: fünf Zelte). Dieses Jahr fällt das Hendl im Paulaner (zweitgrößtes Zelt) weg und ist dafür in der Schützenlisl (Bio-Bayern) erhältlich. Außerdem gibt es Bio-Hendl (in Bio-Bayern-Qualität) in den folgenden Zelten: Fischer Vroni, Ammer und Festzelt Tradition.
Vegetarisches und veganes Angebot wächst
Bio-Kasspatzn servieren inzwischen 16 Zelten, zwei mehr als 2025. Dazu kommen 13 bio-vegane Hauptgerichte in neun Zelten, d.h. fünf Gerichte und zwei Zelte mehr als im Vorjahr. Insgesamt gibt es in jedem Wiesnzelt mindestens ein vegetarisches Hauptgericht und in 31 Zelten auch ein veganes.
Und auch bei den süßen Speisen steigt das Bio-Angebot: Sieben Zelte haben auf der Speisekarten Bio-Kaiserschmarrn, eines mehr als 2025. In zwei Zelten gibt es zudem bio-veganen Apfelstrudel.
Große Zelte hinken hinterher
Allerdings haben die großen und umsatzstarken Wiesnzelte nach wie vor einen vergleichsweise niedrigen Bio-Anteil. Besonders enttäuschend ist, dass neun Zelte seit Jahren auf null Prozent Bio kommen. Die Brauerei- und Schützenvereinigungszelte kommen trotz eines deutlichen Zuwachses lediglich auf 8,4 Prozent.
Weniger Abfall: Gegen Lebensmittelverschwendung
Positives ist beim Thema Lebensmittelverschwendung zu berichten. In Kufflers Weinzelt landen etwa „Rette Mich“-Pasta und krummes Grillgemüse auf der Karte. Die Ammer kooperiert mit den Initiativen „Too Good To Go“ und „Foodsharing München“. In der Ochsenbraterei wird Fleisch restlos verwertet.
Auch übriggebliebene Speisen bekommen eine zweite Chance: Die Boandlkramerei spendet die Lebensmittel, die am letzten Wiesntag übrig bleiben, an die Maria-Welz-Stiftung „Leben ist Fülle e. V.“.
Wo liegt der Hebel für die Umstellung?
Viel hängt vom Engagement der Wirt:innen, der Festzeltleitung und der Küchenteams ab. Einige Zelte setzen bereits seit Jahren auf Bio. Andere haben ihr Angebot in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Diese Beispiele zeigen, dass eine Umstellung möglich ist. Sie zeigen auch, dass sich Bio für die Gastronomie wirtschaftlich tragen kann.
Zu diesem Zuwachs hat auch die Arbeit von Johanna Zierl beigetragen. Sie ist Wertschöpfungskettenmanagerin im Projekt „Mehr Bio auf der Wiesn“. Sie unterstützt die Wiesnwirte dabei, passende Bio-Produkte zu finden und Lieferbeziehungen aufzubauen. 2026 konnte sie bereits zum zweiten Mal bei den Vorbereitungen helfen.
Die Stadt kann mehr tun
Die Stadt München hat dabei einen wichtigen Hebel: die Vergabe der Wiesnplätze. Die Kriterien könnten Bio- und bio-regionale Produkte stärker berücksichtigen.
Dabei sollte nicht reichen, ein einzelnes Bio-Gericht auf die Speisekarte zu setzen. Entscheidend sollte vielmehr sein, welchen Anteil Bio- und bio-regionale Produkte am gesamten Angebot eines Zeltes ausmachen.
13,7 Prozent sind ein Anfang
Der Bio-Anteil von 13,7 Prozent zeigt, dass sich auf der Wiesn etwas bewegt. Gleichzeitig bleibt viel Spielraum. Die Umstellung kann nicht von heute auf morgen passieren. In vielen Zelten ist dafür aber bereits der Grundstein gelegt. Jetzt kommt es darauf an, diesen Weg weiterzugehen.
Hier gibt es die gesamte Auswertung der Speisekarte.
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