Nach dem Sommer ist vor dem Sommer: Wie wird das Westend kühler?

Rund 80 Menschen folgten am 12. Oktober unserer Einladung in die Auferstehungskirche. Unter dem Titel „Nach dem Sommer ist vor dem Sommer – Hitzeschutz für das Westend“ diskutierten wir gemeinsam, wie das Viertel grüner werden und besser mit steigenden Temperaturen umgehen kann.
„Der menschengemachte Klimawandel beschert uns jährlich neue Hitzerekorde und damit verbundene Dürren“, sagte Sylvia Hladky, Projektleiterin des Westendkiezes und Initiatorin der Veranstaltung. Besonders die alarmierenden Zahlen zu den Hitzetoten hätten sie nachdenklich gemacht. „Ich bin immer noch fassungslos, dass diese Zahl so wenig Reaktionen hervorgerufen hat.“
Für Hladky braucht es deshalb Veränderungen auf mehreren Ebenen. Wir müssen weniger CO₂ ausstoßen. Das betrifft unseren Alltag: wie wir heizen, uns fortbewegen, was wir essen und wie wir unsere Freizeit gestalten. Doch auch das Viertel selbst muss sich verändern. Mehr begrünte Fassaden und Innenhöfe, mehr Bäume und weniger versiegelte Flächen können helfen, die Temperaturen zu senken.
Kurzfristig handeln, langfristig planen
Mona Fuchs, zweite Bürgermeisterin Münchens, betonte, dass die Stadt kurzfristige, mittelfristige und langfristige Maßnahmen braucht. „Wir haben die Anzahl der Trinkbrunnen fast verdreifacht“, erklärte sie. Doch Trinkwasser allein reicht nicht. München braucht Hitzeaktionspläne, die im Ernstfall schnelle Hilfe ermöglichen. Auch die Stadtplanung muss sich stärker an den steigenden Temperaturen orientieren.
Entsiegelungsprämien sollen Hausbesitzer*innen dazu ermutigen, befestigte Flächen wieder wasserdurchlässig zu machen. Zudem können Quartiersgaragen helfen, den Parkraum neu zu organisieren und mehr Platz für Grün zu schaffen.
Begrünung braucht Eigeninitiative
Irmgard Seidl, Hauseigentümerin im Westend, ermutigte die Menschen im Viertel, selbst aktiv zu werden. „Man muss schon sehen, dass nicht alles von alleine läuft – tut es aber in keinem Bereich“, sagte sie mit Blick auf die Begrünung im Viertel.
Doch wer einen Innenhof oder eine Fassade begrünen möchte, braucht häufig die Zustimmung der Eigentümer*innen. Deshalb ist es wichtig, miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam Lösungen zu finden.
Dabei unterstützt Silvia Gonzalez, Sanierungsmanagerin für das Quartier Parkstraße. Sie steht Hauseigentümer*innen bei Fragen rund um Immobilien und Grünanlagen zur Seite. Ihr Angebot soll helfen, Ideen für mehr Grün vor Ort in die Tat umzusetzen.
Wie lässt sich die Theresienwiese abkühlen?
Auch die Theresienwiese kam zur Sprache. Ihre große, versiegelte Fläche trägt dazu bei, dass sich das Umfeld im Sommer aufheizt. Auf die Frage nach möglichen Maßnahmen verwies Bille Stöhr aus dem Bezirksausschuss Schwanthalerhöhe auf zusätzliche Versiegelungen, die Rettungswege erfordern. Als Ausgleich brachte sie eine Wanderbaumallee ins Gespräch.
Die Initiative Münchner Baumentscheid war mit Stefanie Günther vertreten: „Wir sind sehr glücklich, aufgrund der 60.000 Unterschriften endlich konstruktiv mit der Stadt zusammenarbeiten“ zu können.
In der anschließenden Fragerunde brachten die Besucher*innen zahlreiche Aspekte zur Sprache. Ein Anwohner sprach sich dafür aus, das Westend als Nachbarschaftsviertels weiterzuentwickeln. „Das Viertel ist aufgrund seiner Struktur ideal dafür geeignet“, begründete er seine Forderung. Die Stadtverwaltung hat bereits ein Konzept für ein Nachbarschaftsviertel im Westend erarbeitet. Das Projekt Westendkiez setzt sich seit einigen Jahren mit verschiedenen Aktionen und Projekten dafür ein, diese Vision Schritt für Schritt Wirklichkeit werden zu lassen.
Der Abend machte deutlich: Hitzeschutz gelingt nur, wenn Stadtpolitik, Verwaltung, Eigentümer:innen sowie die Nachbarschaft an einem Strang ziehen. Mehr Grün, weniger versiegelte Flächen und Menschen, die sich vor Ort engagieren – damit kann das Westend Schritt für Schritt kühler werden.
Denn nach dem Sommer ist vor dem Sommer. Jetzt ist die Zeit, die nächsten Schritte anzugehen.
TZ über die Veranstaltung: Münchner Stadtteil erhitzt sich extrem – jetzt werden Maßnahmen gefordert: „Verändert ein Viertel“
Münchner Merkur über die Veranstaltung: „Wir müssen CO2 reduzieren!“ – München plant Strategie zur Klimaanpassung
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