Westend Wohnzimmer: Ein Viertel sucht seinen Dritten Ort

Was braucht ein Viertel, damit Nachbarschaft wächst? Mit dem Westend Wohnzimmer haben wir einen Ort für Begegnung geschaffen und ausprobiert, was Menschen zusammenbringt.
Der Wandertisch des Westend Wohnzimmers zog über mehrere Wochen durch die Schwanthalerhöhe und machte dabei an verschiedenen „Dritten Orten” halt, beispielsweise an der Stadtbibliothek, im Forum Schwanthaler Höhe und an der Feuerwehrwache. Er verwandelte diese Orte in ein Wohnzimmer für alle: ohne Anmeldung, ohne Eintritt, ohne Erwartungen. Wer wollte, konnte sich dazusetzen, bei Tee und Snacks ins Gespräch kommen, Nachbar*innen kennenlernen oder einfach nur da sein. Unser Ziel war es, Begegnungen zu ermöglichen, das Miteinander im Quartier zu stärken und Erkenntnisse über mögliche dauerhafte Dritte Orte im Westend zu gewinnen.
Informelle Treffpunkte ohne zu konsumieren
Dritte Orte sind informelle Treffpunkte ohne Konsumzwang, nicht Zuhause, nicht die Arbeit, sondern der Ort dazwischen, an dem man einfach sein kann. Beispielsweise Bibliotheken, Nachbarschaftstreffs, Parks, Vereine und vieles mehr. Sie bringen Menschen zusammen, die sich im Alltag sonst kaum begegnen würden. Auf diese Weise entstehen Beziehungen und Vertrauen aus Begegnungen, die wiederum die Grundlage für Zusammenhalt und ein lebendiges Miteinander bilden. So beschreibt es auch das Statement „Dritte Orte für Begegnung“, das die MIN mitunterzeichnet hat.
Es gibt Bedarf
Die Menschen, die kamen, blieben und suchten das Gespräch. Besonders schön waren die Momente, in denen Besucher*innen nicht nur mit uns, sondern auch untereinander ins Gespräch kamen. Und ganz nebenbei entstanden Kontakte zu Menschen, die im Westend längst aktiv sind.
Wie sehr solche Orte fehlen, zeigen die Antworten aus unserer Fragebogen-Aktion, an der Besucher*innen freiwillig teilnehmen konnten. Auf die Frage, was ihm im Westend fehlt, antwortet Leo, der seit 30 Jahren im Viertel lebt: „Ein Dritter Ort, an dem man physisch etwas machen kann, an dem Offenheit besteht, wo ich ich sein kann.“ Und Gabriela, seit 23 Jahren Westendlerin, wünscht sich „ruhige Orte für Ältere und Treffmöglichkeiten wie das Westend Wohnzimmer“.

Ein wanderndes Wohnzimmer muss immer wieder neu entdeckt werden
Zugleich kamen weniger Menschen, als wir uns gewünscht hätten. Ohne festen Ort mussten Besuchende das Angebot jedes Mal aufs Neue finden. Ein verlässlicher Raum mit regelmäßigen Öffnungszeiten würde diese Hürde enorm senken. Auch Sichtbarkeit ist entscheidend: Wer von außen nicht erkennt, dass drinnen etwas stattfindet, geht vorbei.
Keine Begegnung ohne Kümmerer
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis, die uns auch Nachbarschaftstreffs aus anderen Vierteln bestätigen: Räume allein reichen nicht. Es braucht Menschen, die da sind, willkommen heißen und sich kümmern. Entscheidend ist dabei die Haltung als Gastgeber*in statt Veranstalter*in. Denn wo nur Programm geboten wird, bleiben Menschen Publikum. Wo sie als Gäste empfangen werden, kommen sie ins Gespräch, bringen sich ein und machen den Ort zu ihrem eigenen.
Die gute Nachricht: Mögliche Wohnzimmer gibt es im Westend bereits. Etliche Räume könnten zu regelmäßigen, offenen Treffpunkten werden. Mit einigen Orten sind wir im Gespräch und laden Beteiligte und Interessierte zu einem Feedback-Workshop ein.
Teile dein Wissen
Du kennst einen öffentlich und für alle zugänglichen Raum, der regelmäßig zur Verfügung stehen könnte? Oder du möchtest selbst einen solchen Ort mitgestalten? Dann melde dich unter wohnzimmer@m-i-n.net. Wir freuen uns, unsere Erfahrungen zu teilen!
Gefördert durch: BürgerStiftung München, Referat für Klima- und Umweltschutz der Landeshauptstadt München, Edith-Haberland-Wagner-Stiftung