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Equal Care: Neue Wege für mehr Vereinbarkeit mit Unternehmen

Wie können Unternehmen die Vereinbarkeit von Beruf und Care Arbeit dauerhaft stärken? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Ideenworkshop „Vereinbarkeit durch Equal Care – für eine nachhaltige Unternehmenskultur“, der Mitte Mai in München stattfand. Vertreter*innen von Unternehmen wie der Siemens AG, dem kbo-Isar-Amper-Klinikum, MSD Sharp & Dohme sowie aus der Immobilienbranche entwickelten dort gemeinsam konkrete Ansätze.

Schlüsselfrage: Wie können Männer mehr Care-Verantwortung übernehmen?

Im Zentrum des Workshops stand die Frage, was Unternehmen konkret verändern können, um Männer stärker im Beruf zu entlasten und somit Raum zu schaffen, damit sie mehr Verantwortung für Familie und Pflege übernehmen können.

Unternehmensworkshop

Lange konzentrierte sich die Gleichstellungspolitik vor allem darauf, Frauen zu stärken: durch bessere Bildung, mehr Erwerbsarbeit und mehr Durchsetzungskraft. Frauen übernehmen heute deutlich mehr Erwerbsarbeit als früher – gleichzeitig entstehen dadurch Versorgungslücken im Privaten und im gesellschaftlichen Miteinander. Es geht nicht nur um die Frage, wer Kinder, kranke oder alte Angehörige betreut. Auch der soziale Zusammenhalt leidet, denn Frauen waren und sind oft diejenigen, die Beziehungen in Nachbarschaft, Freundeskreisen und Gemeinden pflegen und aufrechterhalten.

Während sich Frauen in Fragen von Bildung, Beruf und Karriere stärker auf Männer zubewegt haben, blieb die Entwicklung bei Männern in Bezug auf Sorgearbeit bislang zurück. Um diese Lücken zu schließen, braucht es deshalb auch eine gerechtere Verteilung von Fürsorgearbeit: Männer müssen Erwerbsarbeit reduzieren und mehr Verantwortung in der Sorgearbeit übernehmen.

„Gleichstellung kann nur gelingen, wenn auch Männer mehr Care-Verantwortung übernehmen und Unternehmen dafür passende Rahmenbedingungen schaffen“, sagt Projektleiterin Dr. Michaela Mahler von Equal Care München.
Denn die Vereinbarkeit und eine faire Verteilung von Care-Arbeit entscheiden nicht nur über das private Wohlbefinden, sondern beeinflussen auch, ob Unternehmen genügend Fachkräfte finden und langfristig erfolgreich bleiben.

Starre Strukturen bremsen Veränderungen

Vor allem eingefahrene Arbeitsvorstellungen verhindern echte Fortschritte. „Wenn Unternehmensstrukturen sehr starr sind, dann fällt es schwer, aus dem gewohnten Trott auszubrechen“, so Michaela Mahler. Flexible Modelle könnten Männern neue Möglichkeiten eröffnen, sich stärker in der Familie einzubringen.

Transformation kostet zunächst Kraft und Geld, doch auf lange Sicht lohnt sie sich“, betont Michaela Mahler. Davon profitieren Unternehmen. Wenn Männer und Frauen gleichermaßen flexible Arbeitsmodelle nutzen, wächst der Talentpool. Mehr Frauen können Führungspositionen übernehmen, ohne zwischen Karriere und Familie wählen zu müssen.

Noch immer herrscht in vielen Unternehmen die Kultur, dass Führungskräfte jederzeit und über die reguläre Arbeitszeit hinaus verfügbar sein müssen. Studien aus anderen Ländern zeigen gleichzeitig, dass eine Vier-Tage-Woche langfristig Vorteile auch für die Unternehmen bringen kann.

Vom Equal Care Day zum „Equal Kerl Stammtisch“

Die Idee für diesen Workshop entstand 2024 nach dem Equal Care Day. Da unter den Teilnehmenden nur sehr wenige Männer waren, haben sich die Initiator*innen überlegt, wie sie künftig gezielter Männer ansprechen und mit diesem Thema erreichen können. Geboren war die Idee für den Equal Kerl Stammtisch, der seitdem regelmäßig in Zusammenarbeit mit Thorsten Bühner von Fairstärkung stattfindet. Dort treffen sich Väter in lockerer Runde und sprechen offen über den Spagat zwischen Familie und Karriere.

In diesen Gesprächen wurde deutlich, dass nicht nur individuelle Entscheidungen gefragt sind. Besonders Unternehmen müssen ihre Strukturen verändern.

Unternehmen sollen aktiv eingebunden werden

Die Veranstaltungsreihe wird fortgesetzt. Für Michaela Mahler ist es entscheidend, die Sichtweisen der Unternehmen einzubeziehen. „Wir sammeln derzeit Erfahrungen und Fakten. Anschließend werden wir auf Unternehmen zugehen. In welcher Form das geschieht, steht noch nicht fest“, sagt die Soziologin.

Fest steht jedoch: Wer Gleichstellung ernst nimmt, muss Care-Arbeit neu denken. Unternehmen spielen dabei eine Schlüsselrolle.

Equal Care, Unternehmenskultur

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