Equal Care Day 2026: Wenn Sorgearbeit politisch wird
Über 160 Menschen füllten am 28. Februar 2026 die Räume der LUISE. Sie diskutierten, hörten zu, lachten, feierten. Das Motto lautete: „Sorgearbeit gerecht verteilen – Demokratie stärken“. Der Equal Care Day fand in München bereits zum dritten Mal statt.
Im Zentrum stand eine Frage, die viele betrifft und doch selten laut gestellt wird: Wer kümmerte sich und zu welchem Preis?
Prominente Stimme für mehr Zeit
Schirmpate der Veranstaltung war Martin Walde. Viele kennen ihn aus der Serie Sturm der Liebe. Diese gut bezahlte Rolle hat er aufgegeben, um mehr Zeit mit seiner Tochter zu verbringen. In seinem Grußwort sprach er offen über diesen Schritt. Echte Fürsorge müsse in unserer Gesellschaft denselben Wert erhalten wie beruflicher Erfolg, sagte er.
Weg vom Einzelkampf
Die Autorin und Aktivistin Jo Lücke hielt die Keynote. Sie hatte im vergangenen Jahr die Liga für unbezahlte Arbeit mitgegründet. Ihr Appell: Weg vom individuellen Durchhalten, hin zu gemeinsamen Lösungen.
Care-Arbeit sei kein privates Problem einzelner Familien, erklärte sie. Sie betreffe die gesamte Gesellschaft. Wer hier gerechte Strukturen schaffe, stärke auch die Demokratie. Frust und Überlastung öffneten sonst populistischen Strömungen Tür und Tor.
Dialogforen: „Du bist nicht allein & du bist nicht schuld an dieser strukturellen Ungerechtigkeit“
In drei Dialogforen vertieften die Teilnehmenden zentrale Themen, spürten eine tiefe Verbundenheit und letztendlich auch: Macht!
Ein Forum richtete den Blick auf sogenannte Young Carers. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene übernahmen Pflege und Verantwortung. Oft im Stillen. Oft ohne Unterstützung. Während sie selbst mit dem eigenen Groß-werden beschäftigt sind.
Ein weiteres Forum fragte: Wie lässt sich die Erschöpfung vieler Frauen überwinden? Wie entstehen neue Bilder von geteilter Verantwortung? Die Diskussionen kreisten um konkrete Utopien und erste Schritte dorthin, sowie die Erkenntnis: Wir brauchen kollektive Lösungen für strukturelle Ungerechtigkeit. Was wir nicht brauchen, ist noch mehr Last auf schon überbelasteten Schultern.
Im dritten Forum ging es um Erziehung. „Jungs weinen doch und Mädchen hauen auf den Putz“ lautete der Titel. Die Botschaft: Geschlechtergerechte Erziehung schafft langfristig mehr Fairness in Familien und im Beruf.
Fair für Care: Demokratie brauchte Fürsorge
Am Nachmittag diskutierten Natascha Sagorski, die Soziologin Mina Mittertrainer, Manuela Nachtigall und Jo Lücke auf dem Podium. Sie zeigten, was fehlte: politische Repräsentanz für Menschen, die täglich Sorgearbeit leisteten.
Wenn Eltern oder pflegende Angehörige ihre Interessen nicht selbst verträten, tue es niemand, mahnte Sagorski. Demokratie lebt von Beteiligung. Wer keine Zeit hat, sich einzubringen, bleibt ungehört.
„Gamechanger: Unsere Kids schlafen schon am Abend in den Klamotten von morgen“
Kristina Weber vom Bayerischen Rundfunk führte durch den Tag. Mit ihren Anekdoten aus dem Alltag regte sie auf eloquente und witzige Weise zum Nachdenken an. Zum Abschluss zeichnete der Bayerische Rundfunk vor Publikum eine Folge des Podcasts „Ein Zimmer für uns allein“ live auf. Eine Premiere!
Zum ersten Mal sprachen zwei Generationen von Männern über Care-Arbeit. Neben Martin Walde saßen Lars Claßen, Vater und Teilzeit-Verleger eines auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Verlags, sowie Ulrich Koprek, ehemaliger Sozialpädagoge und heute als Kunsttherapeut tätig, auf der Bühne. Sie berichteten von Auszeiten, Teilzeit, Zweifeln und neuen Prioritäten. Und von der Erkenntnis, dass Väter nicht immer sofort Lösungen parat haben müssen. Wichtig ist, dass sie da sind. Trotzdem wurden ein paar Life-Hacks ausgetauscht, beispielsweise, dass Lars die Kinder schon am Abend in die Klamotten für den nächsten Tag steckt und so die Nerven der ganzen Familie schont.
Für Energie sorgte Rapperin Gündalein. Sie brachte Themen wie Abtreibung und Rassismus auf die Bühne. Klare Worte, starke Beats.
Langfristig sorgt dies dafür, dass kollektive Lösungen für diese strukturelle Ungerechtigkeit gefunden werden.





