26. Juli 2022

Müll stärker an den Wurzeln packen – Stellungnahme des Klimarates

Die zivilgesellschaftlichen Vertreter*innen des Klimarates haben sich gemeinsam mit dem Arbeitskreis Klimarat mit dem Thema Zero Waste auseinander gesetzt und eine Stellungnahme an den Stadtrat erarbeitet.

Der Stadtrat entscheidet am 27.07.2022 über das Zero-Waste Konzept: München gegen Ressourcenverschwendung – Zero Waste Munich“ .

Fazit des Klimarates: Das Zero Waste-Konzept ist der Schritt in die richtige Richtung , aber Circular Economy muss konsequenter ausgebaut werden – unser Müll darf nicht mehr im globalen Süden landen!

Der AWM hat dem Stadtrat ein Zero-Waste-Konzept vorgelegt, das am Mittwoch, den 27.07.2022 von der Vollversammlung beschlossen werden soll. Dieses anspruchsvolle Konzept enthält rund 100 Maßnahmen – wovon 40 Maßnahmen priorisiert sind, die zu mehr Abfallvermeidung und mehr Recycling führen sollen. Durch diese Maßnahmen soll der Restmüllanfall jährlich von derzeit 366 kg/Person auf 310 kg/Person im Jahr 2035 gesenkt werden.

Dass das Abfallaufkommen in München bis 2035 um 15% zu reduziert werden soll, ist der richtige Weg, so die zivilgesellschaftlichen Vertreter*innen im Klimarat. Sie kritisieren jedoch, dass ein Umsteuern zu einer Wirtschaftsweise der „Circular Economy“, die Abfälle konsequent vermeidet und hochwertig wiederverwertet, auf allen politischen Ebenen noch deutlich konsequenter erfolgen müsste. Besonders kritisch sehen die zivilgesellschaftlichen Klima-Expert*innen die vorgesehene intensivere Sammlung von Verpackungen über Pilotversuche zur Einführung einer gelben Tonne in München.

Helmut Schmidt, Mitglied im Koordinierungskreis von MIN: „Zero-Waste bedeutet nicht „null Müll“, was absolut utopisch wäre, sondern weniger Verschwendung. Ziel von Zero-Waste-Europe ist es, den Restmüllanteil durch Abfallvermeidung und Recycling auf 10 % zu senken. Derzeit beträgt der Restmüllanteil in München ca. 45 %. Dieses Ziel ist äußerst ambitioniert und wird langfristig nur zu erreichen sein, wenn die die Produkte, wie von der EU-Kommission im Kreislaufwirtschaftspaket gefordert, langlebig, reparierbar und recycelbar gestaltet werden. Dazu bedarf es allerdings eines geänderten Policy-Mix auf Bundesebene und eines geänderten Konsumverhaltens durch die Bevölkerung.“

Die Bevölkerung, die auch bei der Entwicklung des Zero Waste-Konzeptes über Workshops eingebunden war, sollte auch zukünftig weiter aktiviert werden: Ob bei der Biomüll-Sammlung, über Repair- und Tausch-Initiativen oder bei der Abfallvermeidung – es ist richtig, hier Richtung Zero Waste Bewusstsein zu schaffen und Menschen zu motivieren.

Nicht weiter auf das Duale System setzen

“Es bringt nichts, das Duale System weiter auszubauen  solange ein größerer Teil des Plastiks nicht wirklich wiederverwertet werden kann. Andernfalls besteht die Gefahr, dass der Müll doch wieder in Länder des globalen Südens verschifft wird, wo er Mensch und Natur massiv Schaden zufügt”, so Sylvia Hladky Leiterin der MIN-Manufaktur 2 und Vertreterin im Klimarat.

Die zivilgesellschaftlichen Mitglieder des Klimarates sprechen sich dafür aus, das Müll-Problem noch stärker an der Wurzel anzupacken.

“Die Stadt sollte uns Münchner*innen noch viel stärker für unser eigenes Konsumieren und Wegwerfen sensibilisieren und ressourcensparendes Verhalten fördern. Aus organischen Abfällen – dem Biomüll – wird wertvoller Bodendünger nur, wenn er nicht im Restmüll landet, wie noch viel zu häufig in München. Für eine klimaneutrale Zukunft ist der Aufbau einer echten Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) notwendig. Das heißt, dass wir keine Wegwerfprodukte mehr produzieren, sondern langlebige wiederverwendbare und reparierbare Güter, die zu einem geringeren Konsum führen”, ergänzt Hermann Hofstetter, Nachhaltigkeitsbeauftragter bei der Erzdiözese München Freising. „Wenn wir Ressourcen nicht verbrauchen und einsparen, schützen wir damit auch das Klima!“.

So sehr wir seitens MIN das Konzept und deren Maßnahmen begrüßen, haben wir doch erhebliche Zweifel, ob es erfolgreich umgesetzt werden kann. Denn ohne einen Paradigmenwechsel auf Bundesebene ist zu befürchten, dass auch das ambitionierte Zero Waste-Konzept der Stadt ein Papiertiger bleiben wird.

 

Hier Stellungnahme der Klimarät*innen.

Bild: Tom Fisk – Pexels

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