27. Mai 2022

Wenn wir zusammen sprechen, sind wir lauter

Helena und Anna sind die Gesichter hinter der Manufaktur 1. Wir stellen sie in diesem Interview vor.

Die Manufaktur 1 steht u.a. für bezahlbare und saubere Energie und Maßnahmen zum Klimaschutz. Mit den aktuellen politischen Geschehnissen rückt das Thema bei vielen Menschen in den Vordergrund, die sich bisher wenig darum gekümmert haben. Gas und Öl werden knapp und teuer.

Spürt ihr die Veränderungen?
Wir merken, dass auf jeden Fall mehr Augenmerk auf dem Thema liegt – genau wie man das auch auf Bundesebene beobachten kann, beschäftigt sich auch in München plötzlich die Politik wieder viel mehr mit der Energiewende, insbesondere mit dem Ausstieg aus den fossilen Energien, auch wegen der Abhängigkeit der Münchner Energieversorgung von russischem Gas. Aber auch auf zivilgesellschaftlicher Ebene ist das Thema Energiewende noch etwas mehr in den Fokus gerückt, Veranstaltungen in dem Themenbereich sind besser besucht etc.

Was ist 2022 der Schwerpunkt eurer Arbeit in der Manufaktur 1? 
Im Jahr 2022 möchten wir uns dem Thema Energiewende und im Speziellen dem Thema Mieterstrom zuwenden. Die Bestückung der Dachflächen von Mietshäusern mit Solaranlagen ist ein wichtiger Hebel für die Münchner Energiewende – dessen Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist. Indem wir wichtige Münchner Akteur*innen rund um die Erzeugung und Verbreitung von Mieterstrom an einen Tisch bringen, möchten wir zunächst herausfinden, wie die Verbreitung von Mieterstrom-Modellen in München vorangetrieben werden kann. Im Anschluss möchten wir dann gemeinsam mit den beteiligten Akteur*innen konkrete Handlungsschritte hierfür einleiten.

Helena Geißler
Anna Lohs

Warum engagiert ihr euch bei MIN?
Anna: An der MIN begeistert mich vor allem die enge Zusammenarbeit und Vernetzung der verschiedenen Manufakturen und Bündnispartner*innen. Nachhaltigkeit ist vielfältig und komplex – die vielen Themen, die sie umfasst, müssen zusammengedacht werden und folglich müssen die (Münchner) Akteure, die sich diesen Themen widmen, zusammenarbeiten. Die MIN ermöglicht das: Sie fördert den Austausch untereinander und lässt Kooperationen erwachsen. Das ist wichtig, denn nur gemeinsam können wir die anvisierten Ziele erreichen.

Helena: MIN ist deswegen ein so wichtiges Bündnis, weil Nachhaltigkeit in ihren verschiedensten Facetten und ihrer Ganzheitlichkeit in den Blick genommen wird und nicht nur auf einen Aspekt geschaut wird. Nur wenn wir so denken, können wir die Transformation hin zu einer nachhaltigen und lebenswerten Gesellschaft schaffen. Zudem engagiere ich mich bei MIN, weil MIN als Bündnis von vielen zivilgesellschaftlichen Organisationen eine gewichtigere Stimme in der Stadt und bei der Stadtpolitik hat, als es eine der Bündnispartner-Organisationen alleine hätte. Wenn wir zusammen sprechen, sind wir lauter und werden besser gehört – so können wir effektiver Nachhaltigkeit in München voranbringen.

Woher kommt ihr (beruflich, wie steht ihr zur Stadt?)
Anna: Nach meinem Pädagogikstudium an der LMU bin ich nach Augsburg gezogen, um dort den Master “Sozialwissenschaftliche Konfliktforschung” zu studieren. In diesem Rahmen habe ich mich intensiv mit dem globalen Nachhaltigkeitsdiskurs sowie mit Fragen der Wachstumskritik befasst. Danach war mir klar: Im Berufsleben möchte ich diese Themen praktisch angehen und in Gemeinschaft mit anderen etwas für Klimaschutz und (starke) Nachhaltigkeit tun. Mit meiner aktuellen Arbeit bei der MIN und dem Netzwerk Klimaherbst lerne ich München wieder aus einer neuen Perspektive kennen und entdecke begeistert, dass es viele engagierte Menschen, Initiativen und Vereine gibt, die sich gut vernetzt für ein nachhaltiges und klimafreundliches München einsetzen – und ich bin froh, ein Teil dieses Netzwerks sein zu dürfen.

Helena: Schon seit meiner Schulzeit wollte ich im Bereich Umwelt- und Klimaschutz arbeiten, wusste aber lange nicht wie und wo. Nach einem interdisziplinären Bachelor-Studium, einem Master-Studium in Volkswirtschaftslehre und einigen Praktika (unter anderem beim Umweltprogramm der Vereinten Nationen und der Heinrich-Böll-Stiftung) habe ich dann zuerst in Forschungsprojekten im Bereich Erneuerbare Energien und intelligente Stromnetze gearbeitet. Da mir dort aber der Weg zur praktischen Anwendung vor Ort und der politische Hebel zu weit war, bin ich nun sehr froh, mich als Klimaschutzreferentin beim Netzwerk Klimaherbst täglich hier in meiner Heimatstadt München für Klimaschutz engagieren zu können – durch meine (politische) Arbeit bei MIN und in anderen Bündnissen, aber auch durch unsere Veranstaltungen und Projekte beim Klimaherbst Münchner*innen zum Engagement für mehr Klimaschutz zu inspirieren.

Was sollte München in Sachen Nachhaltigkeit schnellstmöglich ändern?

  • Mehr Mieterstrommodelle durch Abbau von komplizierter Bürokratie und besseren Informationsangeboten für Mieter*innen und Eigentümer*innen
  • Mehr finanzielle Stabilität für die vielen Organisationen aus der Zivilgesellschaft, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen und mit viel (ehrenamtlichem) Engagement einen zentralen Beitrag zur Erreichung der Münchner Klimaziele leisten.
  • Rückbesinnung auf das Ziel, München bis 2035 klimaneutral werden zu lassen – die Stadt sollte in jedem Fall an dieser Zielsetzung festhalten, auch wenn es ambitioniert ist.
  • Mehr (echte) Beteiligung bei der Planung und Umsetzung der Klimaneutralität 2035 – nur wenn die Zivilgesellschaft als Ganzes (die organisierte Zivilgesellschaft und die Bürger*innen) wirklich mit einbezogen werden, hinter den Beschlüssen und Maßnahmen stehen und sich bei der Umsetzung aktiv einbringen, können wir das Ziel 2035, als Stadt klimaneutral zu sein, noch erreichen

Was wäre eurer Motivationsruf, um neue Leute für die Manufaktur-1-Sache zu gewinnen?
Die Energiewende ist einer der größten Hebel für den Klimaschutz und damit für die Abwendung der Klimakrise. Auch wenn das Thema viele technische Facetten hat, geht es in der Umsetzung der Energiewende vor allem darum, Menschen mitzunehmen, (politisch) die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen und “einfach mal zu machen”. Die Technik ist heute nicht mehr das Problem, es scheitert im Moment noch an der praktischen Umsetzung. Deswegen freuen wir uns über jede*n, der sich für die Energiewende und mehr Klimaschutz in München gemeinsam mit uns engagieren will.

Interessierst du dich für die Energiewende und möchtest dich mit Organisationen vernetzen, die sich hier engagieren? Kennst du dich vielleicht sogar mit erneuerbaren Energien aus oder hast Ideen, wie wir München nachhaltiger mit Strom versorgen können? Möchtest du dich dafür einsetzen, dass Münchens Bürger*innen der Weg zu mehr Klimaschutz erleichtert wird? Dann melde dich bei uns! Wir suchen ehrenamtliche Unterstützer*innen und Koordinator*innen für die Manufaktur 1!

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