Ab in die (Plastik-)Tonne … München testet gelben Sack, gelbe Tonne und Wertstofftonne

Container in MÜnchen

Über Recyclingquoten, Plastikmüll-Vermeidung & Zero Waste City München

Die Stadt München sammelt den Plastikmüll der Münchner*innen in Wertstoffcontainern. Jeder Haushalt bringt seinen Plastik-, Papier- und Glasmüll zu sogenannten Wertstoffinseln in der Umgebung. Ob das so bleibt, wird derzeit getestet.

Seit Anfang des Jahres läuft in fünf Münchner Stadtbezirken ein Modellversuch. Der Gelbe Sack wird in einem großen Teil des Stadtteils Lehel getestet. Die Gelbe Tonne steht in Schwabing-Mitte und in Teilen von Allach. In Westend-Schwanthalerhöhe und einem Teil von Solln steht während der Testzeit die Wertstofftonne. Diese unterscheidet sich von der Gelben Tonne dadurch, dass neben Verpackungen auch andere Kunststoffgegenstände wie Töpfe, Plastikeimer etc. entsorgt werden können.

Getestet werden die verschiedenen Sammelarten bis 2026. Dann soll eine Ökobilanz der jeweiligen Systeme erstellt werden und die Stadt will entscheiden, welches das beste Entsorgungssystem für Wertstoffmüll ist.


Müll nimmt zu, Recycling ab

„Aus einem alten Joghurtbecher ist deutschlandweit noch nie eine neue Verpackung geworden. Eines der Grundübel der Kunststoffsammlung ist, dass es keine geeignete Recyclingquote gibt“, sagt Helmut Schmidt, ehemaliger Werkleiter des AWM und Mitglied des MIN-Koordinierungskreises und weist auf die generelle Zunahme des Plastikmülls hin. „Die Mülltrennung hat seit der Einführung vor über 30 Jahren nicht zu weniger Plastikmüll geführt. Seit es die gelben Systeme gibt, hat sich die Menge an Kunststoffverpackungen in Deutschland verdoppelt. 70 Prozent der Kunststoffverpackungen – Tendenz steigend – sind so genannte Verbundverpackungen1, die nicht recycelt werden können“, so Schmidt. Greenpeace bestätigt diese Entwicklung auch auf Bundesebene. „Gerade mal 16 Prozent des in Deutschland anfallenden Kunststoffmülls wird tatsächlich zu Rezyklat, das auch in neuen Produkten wiederverwertet wird.“

Wie hoch der Recyclinganteil am Plastikmüll tatsächlich ist, darüber gibt es in München keine Zahlen. Remondis und Wittmann, die für die Wertstoffcontainer verantwortlich sind, hüllen sich in Schweigen, auch gegenüber ihrer Auftraggeberin – der Stadt München.

Was passiert mit dem Material nach der Sortierung?

Die Wege des Plastikmülls sind nicht transparent. Es ist zu befürchten, dass die Menschen ihren Plastikmüll brav zu den Containern bringen und ein Großteil in den Weltmeeren landet. „Zwei Drittel der angeblich recycelten Abfälle werden nach der Sortierung in vorwiegend asiatische Länder exportiert, die nachweislich nicht über ausreichende Recyclingkapazitäten verfügen. Es ist bekannt, dass der größte Teil des Plastikmülls in den Weltmeeren aus asiatischen Flüssen stammt. China hat den Import dieser Abfälle seit Anfang 2018 eingestellt, weil das Material nicht wirklich recycelt werden kann“, weiß Schmidt.

Zero Waste Stadt München

Dabei hat sich die Stadt München zur Zero Waste City bekannt und 2022 hat der Stadtrat ein Zero-Waste-Konzept für die Landeshauptstadt München verabschiedet.
Unser Bündnispartner rehab republic e. V. begleitet München auf dem Weg zur Zero Waste City.

„Wir stehen in ständigem Austausch mit der Stadt, vor allem mit der neuen Zero Waste Fachstelle“, erklärt Carolin Speth von rehab republic. „Es freut uns, dass das Pilotprojekt gestartet ist, denn es ist wichtig herauszufinden, wie die Münchner*innen dazu angeregt werden können, ihren Abfall besser zu trennen. Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass es einen höheren Anreiz für die Bürger*innen bietet, den Abfall zu trennen, wenn Gelbe Tonne oder Sack direkt vor der Haustür abgeholt werden. Natürlich ist das Trennen eine Einzelmaßnahme, das Thema Abfall muss als Gesamtprozess gesehen werden und für uns steht die Abfallvermeidung stets an erster Stelle. Sortieren löst nicht das Abfallproblem, aber eine saubere Sortierung kann die Grundlage für ein hohes Recyclingniveau sein.“

Geringer Umweltnutzen, teuer erkauft

Helmut Schmidt würde hingegen am bestehenden System in der Stadt festhalten und mit großen Aufklärungskampagnen zur Müllvermeidung starten. „Die Wertstoffinseln verursachen weniger Verkehr und mit Kunststoffverpackungen wird viel Luft transportiert. Beim Recycling von Kunststoffverpackungen wird ein geringer Umweltnutzen sehr teuer erkauft“.

Ein Vorbild in Sachen Plastikvermeidung ist Kiel. Als erste Stadt in Deutschland wurde Kiel zur „Zero Waste City“ zertifiziert und hat gemeinsam mit seinen Bürger*innen ein Zero-Waste-Konzept mit mehr als 100 Maßnahmen zur Abfallvermeidung erstellt. Auch die Stadt Tübingen geht eigene Wege und erhebt seit Anfang 2022 eine Steuer auf Einwegverpackungen.

Und hier noch Veranstaltungstipps: 

Zero Waste Festival 13.07.2024 im Kreativquartier
Diesmal wird das Festival Teil des Kreativlabor OPEN am 13. Juli sein. Viele der tollen Initiativen im Quartier öffnen ihre Türen.Komm‘ vorbei, genieß‘ die Festivalatmosphäre und lern‘ was zum Thema Müll. Wir freuen uns auf Dich 
re.public – Zero Waste München (zerowaste-muenchen.de))

Müllfrei-Meile 7.-28.09.2024 im Gärtnerplatzviertel
Neben einem bunten Programm für Bewohner*innen und Passant*innen wird mit der Gastro und Geschäften zum Thema Mehrwegnutzung zusammengearbeitet. Ziel ist es, Münchner*innen für Abfallvermeidung und weitere Aspekte rund ums Thema Müll(frei) zu sensibilisieren und ins Handeln zu bringen. Aktionen im Rahmen der Müllfrei-Meile: Kleidertauschparty, Schnibbelparty, Workshops, Kreislaufschrank, Auftakt- und Abschlussevent, Cleanups, Aktionen mit Geschäften/Gastro

Weitere Links zum Thema:

Hier Tipps zur Allfallvermeidung im Alltag:
https://zerowaste-muenchen.de/2020/11/03/wie-du-mit-diesen-10-tipps-ganz-leicht-muell-im-alltag-vermeiden-kannst/

Greenpeace-Report “Klimakrise unverpackt”
Wertstoffinseln in München leicht erklärt (AWM)
AZ-Gespräch mit Experten für Entsorgungswirtschaft 
Neue EU-Verordnung – ab 2030 soll jede Verpackung recycelbar sein

 

1Verbundverpackungen sind Materialien, die aus Kombination von mindestens zwei verschiedenen Materialien wie Kunststoff, Papier und Pappe und Aluminium bestehen und sich nicht einfach trennen lassen.

Plastikmüll, Plastikrecycling

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